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FRANZ AUGUST SCHUBERT - Lebenslauf
auf Verlangen aufgeschrieben im Jahre 1887

Franz August Schubert

[wohl zur Veröffentlichung für das Sammelwerk: Andresen, Andreas "Die Deutschen Maler-Radirer (Peintres-Graveurs) des neunzehnten Jahrhunderts nach ihren Leben und Werken, 5 Bände, Leipzig 1866-74. Reprint: Hildesheim 1971, 1676 S., Leinen, vergriffen. Neuaufl. geplant! ISBN10: 3-487-04004-2, ISBN13: 978-3-487-04004-2, 198,00 Eur]


Von 7 Kindern meines Vaters, des Schneidermeisters SCHUBERT in Dessau, war ich der 6te, geboren am 10ten Nov. 1806. Mein Vater, ein intelligenter Mann seines Standes hatte Verständnis für die Kunst und hielt es für nützlich für jedermann, sich im Zeichnen geübt zu haben. Er ließt daher seinen Kindern allen von Jugend auf Zeichenunterricht geben von dem damals einzigen Zeichenlehrer HEINZE in Dessau und nach dessen Tode von dessen Tochter, die eben meine Lehrerin wurde.
Meine älteren Brüder hatten sich als Spielzeug ein Theater gebaut mit allem nötigen Apparat, dies setzte ich fort und malte immer wieder neue Dekorationen und Figuren zu neuen Aufführungen und übte dabei meine Kunst zu ersten Leistungen aus.

In der Schule erhielt ich später besseren Unterricht bei dem nach Dessau berufenen Landschaftsmaler und Radierer Dr. KOLBE (durch seine Radierungen bekannt) der mir bald aus Gunst figürliche Vorlagen mit nach Hause gab. Meine Zeichnungen für die öffentlichen Schulexamen hatten die Aufmerksamkeit des Hofmalers Herrn H. BECK auf sich gezogen, er nahm sich meiner freundlichst an und ich durfte in meinem 14ten Jahre seinen gediegenen Unterricht in den freien Stunden der Schule genießen.

Nachdem ich die Schule bis auf einige Privatstunden verlassen, war ich ganz unter seiner freundlichst liebevollen Leitung. Bald konnte ich dem Hofmaler manche Dienste leisten, besonders beim Restaurieren der Herzogl. Gemälde und habe später manches Bild restauriert. Auch gab ich den Kindern des Hofmalers Zeichenunterricht und wurde wie ein Kind im Hause gehalten. Durch Portraitzeichnen und Unterrichtgeben in der Haupttöchterschule und einem Fräulein-Pensionat konnte ich mich bald selber erhalten.

Nachdem ich mich im Malen geübt, malte ich mein Portrait in halber Figur, das Bild meines Bruders BENJAMIN SCHUBERT, der Bildhauer und Vergolder war, meine besten Leistungen in damaliger Zeit, und ein großes Stilleben, Gypsabgüsse mit anderen Gegenständen gruppiert, das ich nach Dresden zur Ausstellung senden durfte und eine gute Recension damit einerntete.

Durch Empfehlung des Hofmalers beim Herzog erhielt ich manche kleine Aufträge, und zu Ostern 1829 hatte ich das Glück, durch den Hofmaler empfohlen, meine Studien auf herzogliche Kosten auf Akademien fortsetzen zu können. Meine Sehnsucht, und auch die Absicht meines lieben Lehrers war es, daß ich nach München zu CORNELIUS ginge, aber zuvor sollte ich ein halbes Jahr nach Dresden gehen, um die dortigen Kunstschätze und nebenbei auf der Akademie zu studieren.
Hier hielt ich mich außer an NAEKE an FRIEDRICH, den sinnigen Landschaftsmaler, der mich durch sein liebevolles Wesen anzog, und fand hier einen Freund und Studiengenossen an GUSTAV JÄGER [Gustav Jäger * 12. Juli 1808 in Leipzig; † 19. April 1871 in Leipzig; http://de.wikipedia.org/wiki/Gustav_Jäger_(Maler)] aus Leipzig. In Dresden zeichnete ich einen kollossalen Carton Jupiter und Thetis.
Zum Herbst ging ich nach München. Der Abschied von JÄGER war nicht schwer, denn zum Frühjahr wollte er mir folgen.

In München fand ich meine Erwartungen in hohem Maße übertroffen und habe oft die Tränen nicht unterdrücken können vor den Eindrücken, welche die Werke des CORNELIUS [Peter von Cornelius (* 23. September 1783 in Düsseldorf; † 6. März 1867 in Berlin); http://de.wikipedia.org/wiki/Peter_von_Cornelius] und seiner Schüler auf mich machten.

CORNELIUS empfing mich sehr freundlich und bestimmte mich nach meinen Vorlagen, für die Componier-Klasse unter Professor JULIUS SCHNORR V. CAROLSFELD [Julius Schnorr von Carolsfeld (* 26. März 1794 in Leipzig; † 24. Mai 1872 in Dresden) war ein Maler der deutschen Romantik. Neben Friedrich Overbeck ist er der bekannteste Maler der Nazarenischen Kunst. http://de.wikipedia.org/wiki/Julius_Schnorr_von_Carolsfeld]. Hier begann ich einen Carton: Die Heilung der beiden Blinden durch Christum. Ich fühlte mich bald sehr glücklich in den Kreisen der strebenden jungen Künstlerwelt. Zu Ostern 1830 befriedigte ich meine Sehnsucht, die Alpen kennen zu lernen, durch einen Ausflug- mit Studiengenossen ins Bayrische Gebirge, die Bayrischen Alpen. Im Herbst desselben Jahres machte ich mit JÄGER eine größere Reise durch Tyrol bis Meran, wo wir uns in dem höher liegenden Dorf Tyrol 3 Wochen aufhielten, landschaftliche Studien zu malen.

Im nächsten Jahr 1831 half ich CARL HERRMANN [Carl Heinrich Herrmann * 6.1.1802 Dresden; † 30.4.1880 Berlin] aus Dresden, einem der ältesten Schüler des CORNELIUS, an seinem großen Carton für das Deckengemälde der protestantischen Kirche in München und malte nachher in einem Sommer mit ihm das Bild al fresco. Nach Beendigung desselben Mitte November machte ich mit HERRMANN nach angestrengter Arbeit eine Erholungsreise zu Fuß nach dem Gebirge, aber der Schnee ließ uns nicht weit kommen, wir gingen daher über Augsburg nach Nürnberg und über Regensburg- nach München zurück, wo wir den 15. Dezember anlangten.

1832 begann ich einen neuen Carton: Die Speisung der 5000 durch wenig Brote und Fische und gewann mit diesem bei einer in Dresden ausgeschriebenen Concurrenz vom Kunstverein den Preis u. die Bestellung auf das Bild.

In dieser Zeit war Prof. SCHLOTTHAUER [Joseph Schlotthauer (* 14. März 1789 in München; † 15. Juni 1869 in München) war ein deutscher Maler, http://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Schlotthauer] bedacht, den Holzschnitt wieder in Aufnahme zu bringen und ein Buchhändler in Regensburg war bereit, eine Bibel in Holzschnitten herauszugeben. Die componierenden Schüler der Akademie lieferten Compositionen. NEUER war der erste Holzschneider und eines der ersten Blätter, die zur Bibel geschnitten wurden, war der Einzug Christi von mir.

Den Herbst 1832 reiste ich nach Salzburg und Berchtesgaden, die schöne Landschaft zu sehen. Nach Vollendung meines Auftrages im Sommer 1833 erhielt ich für das Bild 500 Taler und einen Zuschuß von 300 Talern von meinem Herzog, die machten es mir möglich, meinen sehnlichsten Wunsch, Italien zu sehen, in Erfüllung gehen zu sehen, zumal jetzt gerade CORNELIUS in Rom war, seinen Carton zum Jüngsten Gericht für die Ludwigskirche in München auszuführen.

1833 reiste ich zuvor in die Heimat meiner Eltern um meinen geliebten Lehrer und Wohltäter noch zu sehen und dann am 13. Oktober von München nach Italien ab, mit einem Freunde JANSSEN aus Hamburg, einem sehr talentvollen Künstler, der aber leider jung starb. Unsere Reise war langsam über Innsbruck, Verona, Vinccenza, Padua nach Venedig, denn an jedem Ort hielten wir uns auf. Von Venedig gings über Ferrara, Bologna nach Florenz, hier blieben wir einen Monat, machten dann von hier einen Ausflug über Prato, Pistoja nach Lucca, Pisa, Livorno, Volterra nach Siena und wieder nach Florenz und reisten über Arrezzo nach Perugia und nach längerem Aufenthalt über Assisi, Foligno, Spoleto, Termi Normi, Civita Castellana nach Rom, wo wir den 4. Januar 1834 ankamen. Rom macht einen so überwältigenden Eindruck auf einen Künstler, daß er schwer zur Ruhe kommen kann.
Ich habe ein viertel Jahr gebraucht, ehe ich eine Arbeit beginnen konnte und noch lange, ehe ich anhaltend dabei bleiben konnte. CORNELIUS besuchte ich natürlich sehr oft und die alten Römer: OVERBECK [Johann Friedrich Overbeck (* 3. Juli 1789 in Lübeck; † 12. November 1869 in Rom) war ein deutscher Maler, Zeichner und Illustrator, http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Overbeck], JOSEPH KOCH [Joseph Anton Koch (* 27. Juli 1768 in Obergiblen bei Elbigenalp im Lechtal, Tirol; † 12. Januar 1839 in Rom) war ein österreichischer Maler, http://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Anton_Koch], REINHARD [wohl richtig: Reinhart: Johann Christian Reinhart (* 24. Januar 1761 in Hof; † 8. Juni 1847 in Rom) war ein deutscher Maler, Zeichner und Radierer, http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Christian_Reinhart], WAGNER [wohl Bildhauer und Kunstagent König Ludwigs I. in Rom, Martin von Wagner (1777-1858) http://www.museum.uni-wuerzburg.de/ ], V. RHODEN [Johann Martin von Rohden, auch Johann Martin Rohden (* 30. Juli 1778 in Kassel; † 9. September 1868 in Rom), war ein deutscher Landschaftsmaler, http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Martin_von_Rohden], THORWALDSEN [Bertel Thorvaldsen (* 19. November 1770 in Kopenhagen; † 24. März 1844 ebd.) war ein dänischer Bildhauer, http://de.wikipedia.org/wiki/Bertel_Thorvaldsen] ebenso. Vor allem aber sah ich KOCH sehr viel, dem ich auch viel zu verdanken habe. Mit ihm machte ich oft weite Spazierwege und erlaubte es einigermaßen der Rückweg, so gingen wir zuletzt nach dem Monte cavallo, die Pferdebändiger zu sehen als Kunstgenuß zum Schluß. Und nach dem Genuß der schönen Natur und an der Kunst der Dioskuren uns zu laben, um dann ganz befriedigt nach Hause gehen zu können.

Mein erstes größeres Bild, das ich begann, war „Jakob und Rahel am Brunnen“ in halb lebensgroßen Figuren, Skizzen habe ich viel gemacht, die aber nicht zur Ausführung kamen. CORNELIUS machte mir das Anerbieten, nach Vollendung seines Cartons mit ihm nach München zurückzukehren und ihm bei der Ausführung derselben a fresco zu helfen, aber ehe es soweit kam, hatte ich mein Bild Jakob und Rahel am Brunnen dem Herzog als Zeichen meiner Dankbarkeit für empfangene
Unterstützungen, als Geschenk übersandt mit einer neuen reichen Komposition: Das Gleichnis vom großen Abendmahl (Lukas 14), auf welche mir der Herzog eine Bestellung machte, ihn in fast lebensgroßen Figuren auszuführen. Dieser Auftrag machte mir möglich, meinen Aufenthalt in Rom bedeutend zu verlängern, was ich dem Antrag des CORNELIUS vorzog und was auch von ihm gebilligt wurde und somit war ich so glücklich, vermittels kleiner Nebenverdienste und großer Sparsamkeit meinen Aufenthalt in Rom bis auf 6 Jahre zu bringen.

Die Monate August und September, die Zeit der Aria cattiva in Rom benutzte ich jährlich zu Ausflügen nach interessanteren Orten oder ins Gebirge, landschaftliche Studien zu malen, 1834 ins Albaner Gebirge und 1835 durchs Volsker Gebirge bis Ferracina, wo ich allein 3 Wochen blieb und malte und durch die Pontischen Sümpfe nach Rom zurückkehrte. Im Juli 1836 reiste ich nach Orvieto, den Signorelli im herrlichen Dom daselbst zu studieren, wo ich mehrere Bilder in Aquarell kopierte, so auch einen Heiligen Michael, Altarbild einer Gräflichen Hauskapelle von einem Mitschüler Raphaels, Giovanni, genannt la Spagna 1495 Schüler Peruginis, der jung starb und dem Raphael ebenbürtig war, ein sehr schönes Bild, das CORNELIUS restauriert hatte. Außer meinen Studien im Dom, malte ich viele landschaftliche Studien und nach 3 Wochen wollte ich noch einmal nach Assisi und Perugia, aber wurde leider verhindert und mußte nach Rom zurück. Den Herbst ging ich dann noch mit JÄGER ins Albaner Gebirge, landschaftliche Studien zu machen. Im Herbst 1837 brach in Rom die Cholera aus, ein Freund von mir war einer der ersten, der sie bekam, seine Hausleute pflegten ihn treulich und nachdem er genesen, verließt ich Rom und ging ins Albaner Gebirge. Hier schlossen sich die Ortschaften sehr bald von Rom ab und später unter sich selber, ich war gerade in Nemi mit einem Freunde, wir wurden hier eingeschlossen zwei Monate lang, während welcher Zeit ich manche Abenteuer erlebte, durch die Furcht des Volkes vor der Cholera erzeugt. Die Cholera kam nicht nach Nemi und ich habe unangefochten die schöne Natur der nächsten Umgebung studiert.

1838 im Herbst reiste ich nach Neapel und nach längerem Aufenthalt daselbst in der Umgebung, zuerst nach Puzzioli, Bajo, Capo Missene, Pracida und Ischia, wo ich den Epomeo, einen ausgebrannten feuerspeienden Berg, bestieg. Um 1300 hatte er das letzte mal gespieen und ein großer Teil der Insel ist noch von Schlacken verwüstet. Der zweite Ausflug war nach Resina, (ich) stieg in Herculanum hinab. Auch den Vesuv bestieg ich in der Nacht, während der großen Eruption dieses Jahres und habe dieses wunderbare Naturereignis in nächster Nähe gesehen, bin aber auch in Lebensgefahr dabei gekommen. Von hier ging's nach Pompeji, hier lebte ich in der erstandenen alten Stadt 10 Tage zum Studium, ging dann nach Sorrent (der Ascheregen vom Vesuv kam bis Pompeji, staubähnlich) und Capri, wo ich wieder 14 Tage blieb, dann nach Amalfi und nach 10 Tagen zu Wasser nach Salerno und von hier nach Pestum, die schönen griechischen Tempel zu sehen. Pestum ist der südlichste Punkt, den ich erreicht habe, nach Sizilien vermochte ich nicht zu kommen. Als ich auf der Rückreise wieder nach Resina kam, war die Eruption des Vesuvs vorüber und ich bestieg ihn nun nochmals bei Tag. Nach kurzem Aufenthalt in Neapel kehrte ich im Spätherbst nach Rom zurück, und hier angekommen, fand ich JOSEPH KOCH erkrankt. 1839, den 12. Januar 1 Uhr mittags starb er, heiter und bei vollem Bewußtsein bis zum letzten Augenblick.

Kleinere Reisen auf einige Tage als nach Ostia, Tivoli und einzelne Orte des Albanergebirges habe ich mehrere noch gemacht. Nachdem ich in Rom einige kleinere Bilder gemalt und das Gleichnis vom Großen Abendmahl vollendet hatte, sollte ich Rom verlassen.

Der Abschied von allen vertrauten Plätzen und Kunstwerken wurde mir schwer, besonders von der Farnesina, den Frescen des Raphael, vom Leben der Amor und Psyche, die ich mangelhaft ediert wußte. Ich machte den Kupferstecher GRUNER darauf aufmerksam, daß dies eine Arbeit für ihn sei, er zeigte auch große Lust dazu und ich entschloß mich, die Zeichnungen nach den Originalen zu machen. GRUNER änderte aber seinen Entschluß und somit behielt ich mir vor, sie selber später zu radieren.

Ende August 1839 verließ ich Rom mit schwerem Herzen und um den kürzesten Weg nach Deutschland einzuschlagen, ging ich nach Ancona und Rimini und von hier zu Wasser nach Triest, dann Venedig, Trient, Bozen, Innsbruck nach München. In München empfing mich Freund JÄGER sehr freundlich, der schon 2 Jahre früher von Rom zurückgekehrt war. In München stellte ich meine letzte Arbeit, das Gleichnis vom Großen Abendmahl aus und gewann besonders durch dieselbe die Anerkennung von C. ROTTMANN, wodurch ich diesem ausgezeichneten Landschaftsmaler nahe kam.

In Dessau empfing mich mein alter Lehrer, mit dem ich in ununterbrochenem Briefwechsel geblieben war und der mich stets aus der Feme noch väterlich geleitet hatte, sehr freundlich und ich gehörte gleichsam wieder zur Familie. Der Herzog nahm meine Arbeiten sehr nachsichtig und gnädig auf und nahm viel Interesse an meinen landschaftlichen Studien. In Dessau hielt ich mich ein Jahr auf und malte einige Portraits, unter anderen den Herzog und die Herzogin für die Königin von Hannover bestimmt.

Nachdem ich mich mit der 3. Tochter des Hofmalers Beck verlobt hatte, kehrte ich den 15. Dezember 1840 wieder nach München zurück mit einem neuen großen Auftrag vom Herzog auf einen vorgelegten Entwurf: Die Speisung der Israeliten in der Wüste durch Manna und Wachteln, das etwa 13 ' hoch und 19 ' lang wurde.

Durch meinen langen Aufenthalt in Italien für das Münchner Klima verwöhnt, bekam ich bald das dort sehr gewöhnliche Schleim- oder Nervenfieber, das mich dem Tode nahe brachte, doch wieder hergestellt, war ich akklimatisiert und blieb gesund und stand bald wieder im alten guten Verhältnis zu CORNELIUS, den Professoren der Akademie und meinen Freunden. Leider verließ nun bald CORNELIUS am 11. April 1841 München auf immer und ging nach Berlin, wohin er berufen war. Sein letztes Wort zu mir war. "Auf Wiedersehen in Berlin".

Nun begann ich den Carton zu meinem neuen Auftrage. Im Juni 1842 reiste ich nach Dessau meine Braut als Ehefrau heimzuholen mit der ich über Nürnberg und Regensburg, gegen Ende Juli nach München zurückkehrte. In der Zeit begann die Cottaische Bilderbibel zu entstehen, für die ich auch drei Blätter auf Holz zeichnete: Die Verheißung Isaaks, Abraham bittet die drei Engel Sodom zu schonen und Bileam mit dem Engel. Auch begann ich die Fabel von Amor und Psyche nach Raphael nach meinen Zeichnungen zu radieren. Die Reihenfolge dieser Radierungen zeigen die Fortschritte, die ich im Radieren machte, aber leider bin ich nicht dazu gekommen, die Deckenbilder auch zu radieren, die gerade so herrliche Compositionen sind und die ich mit aller Sorgfalt gezeichnet hatte. Die Zeichnungen sind überhaupt mehr ausgeführt als die Radierungen und noch in meinem Besitz. In dieser Zeit malte ich auch als Wiederholung in kleinerem Maßstab das Gleichnis vom Großen Abendmahl, das der Kunstverein in München kaufte.

Im Herbst 1843 lebte ich einige Wochen im Gebirge am Inn, in Oberaudorf und malte landschaftliche Studien.

1844 reiste ich nach Salzburg und Berchtesgaden.

1845 ehe mein großes Bild anfing, reiste ich mit meiner Frau zum dritten Male nach Venedig, zum Studium der Venetianer und kopierte klein die Himmelfahrt der Maria und die Legende von der Darstellung der Maria im Tempel nach Tizian und kehrte nach 7 Wochen Aufenthalt in Venedig nach München zurück.

Im Herbst 1846 hielt ich mich in Partenkirchen an der Zugspitze auf zum Studium der Natur und im Herbst reiste ich mit meinem Schwiegervater über Innsbruck, Brixen, Castel Ruth, Bozen nach Meran, wo wir uns im Dorf Tyrol einige Wochen aufhielten und landschaftliche Studien malten und kehrten nach 6 Wochen nach München zurück.

1848 war ich im Herbst in Fürstenfeldbruck und Umgebung und malte landschaftliche Studien. Nach den ersten Jahren meines Aufenthaltes in München nahm der Hofmaler CARL ROTTMANN [Carl Anton Joseph Rottmann, * 11. Januar 1797 in Handschuhsheim (heute zu Heidelberg); † 7. Juli 1850 in München, war ein deutscher Landschaftsmaler und berühmtester Vertreter der Malerfamilie Rottmann (etwa zwischen 1770 und 1880), http://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Rottmann] sein Atelier in dem selben Hause mit mir, wo er die großen griechischen Landschaften (incaustisch) malte, und habe durch seine Arbeiten und guten Rat manchen Nutzen von ihm gehabt.

In dieser Zeit malte ich für eine griechische kaiserliche Kapelle (kaiserliche Hofkapelle) in St. Petersburg den Besuch Pauli bei Petrus in Jerusalem, gestochen von C. VOLTZ in München. Als ich den Carton zu meinem großen Bild vollendet, habe ich denselben in kräftigen Umrissen, groß in Stahl radiert. Neben dem großen Bilde malte ich noch lebensgroß: Adam und Eva nach dem Sündenfall von Gott gestraft. Diese beiden Bilder wurden zu gleicher Zeit fertig im Jahre 1848.

Im Mai 1849 reiste ich nun mit dem großen Bilde nach Dessau, um es dem Herzog zu überreichen und fand gute Aufnahme bei demselben. Das Bild fand später seinen Platz in der Nikolaikirche in Zerbst. Das Ministerium der Revolutionszeit in Dessau wußte nichts von mir und bei geringem Interesse für die Kunst, zumal die religiöse, fand ich wenig Anklang. Das ist mir für meine Zukunft sehr nachteilig geworden. Im Herbst stellte ich Adam und Eva in Leipzig aus und wurde gut recensiert. Ich war auch in Leipzig und machte PRELLERS Bekanntschaft daselbst, dem mein Bild zu meiner Freude sehr gut gefallen hatte. Mit JÄGER reiste ich von da nach Dresden, um die dortigen Kunstschätze wieder zu sehen.

In Bayern hatte König Ludwig die Regierung niedergelegt, was für das künftige Kunstleben in München keine günstige Deutung zuließ, aber Berlin Hoffnung macht zu einer frischen, ernsten Kunstentwicklung durch die Gegenwart CORNELIUS. So entschloß ich mich nach Berlin zu reisen und CORNELIUS Ansicht zu hören, der machte mir auch Hoffnung, bot mir ein Atelier an und riet mir, nach Berlin zu kommen, welchen Rat ich annahm und im Mai 1850 nach Berlin übersiedelte.

Ein umfassender Plan zur Ausschmückung des Schwurgerichtssaales in Dessau wurde mir vom Ministerium verkürzt bis auf ein Bild: Das Urteil Salomos, weil ich auf mir ungeeignet erscheinende Ideen nicht eingehen konnte. Dieses Bild begann ich in Berlin auszuführen. CORNELIUS ging bald wieder nach Rom und ich fühlte mich in Berlin nicht wohl. CORNELIUS kam hier nie zur Geltung und ich habe hier nur mit der Existenz zu kämpfen gehabt.

Nachdem ich das Urteil Salomos vollendet hatte, sollte der Conzertsaal in Dessau restauriert werden und ich bekam bald nachher den Auftrag, die Deckenvouté über 200 ' lang und 6 1/2 ' hoch mit lebensgroßen Figuren zu schmücken, eine selten herrliche Aufgabe. Der Saal ist griechischen Styls, ich wählte daher als Thema: Die Erfindung und Macht der Musik nach antiker Anschauung.

In der Vouté, der ersten langen Wand, ließ ich Götter handeln, die Scenen durch Bäume getrennt, durch alle Wände, da ringsum der blaue Himmel den Grund bildet und begann mit Merkur, der als Kind eine Schildkröte am Meeresufer gefunden, eine Lyra daraus machte, dann sie dem Apollo schenkt und drittens im Mittel- und Hauptbilde dieser die Kunst unter den Musen nun lehrt.

Merkur übt die Kunst im folgenden aus, schläfert den Argus damit ein und entführt die Jo. Die schmale Wand, dem Orchester gegenüber enthält den Wettstreit der echten mit der falschen Kunst, Apollo mit dem Marsyas und die Strafe des Besiegten. Hier handeln außer Apollo die Halbgötter. An der anderen langen Wand handeln nun Menschen. Zuerst das Leben ohne die Kunst. Hirten leben ohne verbindende Objekte langweilig nebeneinander her - dann erfindet Pan die Rohrpfeiffe (Syrinx) und im Hauptmittelbild lehrt nun Apollo die Kunst unter den Hirten, wo Pan als Schüler mit lauscht.

Im 4. Bilde ist nun Leben und Geselligkeit, die Hirten spielen und tanzen und die Kunst durchdringt auch die niedrigsten Schichten im letzten, wo Pan mit Satyren in Ausübung der Kunst sich belustigen.

In der zweiten schmalen Wand schildere ich nun die Entstehung und Macht der christlichen Musik zum Gegensatz der Griechischen, an die Hirten der letzten Wand anknüpfend ist hier in der Mitte die Verkündigung der Geburt Christi den Hirten mit dem himmlischen Lobgesang der Engel als erste Musik und zu beiden Seiten: die Posaunen des Jüngsten Gerichtes, die die Toten auferwecken, als die Macht, hier die Seeligen und auf der anderen Seite die Verdammten. Der Entwurf wurde genehmigt, aber so wenig dafür ausgesetzt, daß die Ausführung dafür eigentlich unmöglich war, um aber die Aufgabe nicht fallen zu lassen, entschloß ich mich mit großen Opfern, sie zu übernehmen. Ich habe wenigstens nach den Verhältnissen das mir mögliche geleistet. Nachdem die Bilder in der Vouté befestigt waren, noch ehe sie jemand gesehen, brannte das Theater ab und das Feuer war schon durch die Türen des Konzertsaales in denselben gedrungen, als es noch hier gelöscht wurde und die Bilder noch unbeschädigt geblieben sind.

Die nächsten Jahre malte ich Staffeleibilder, ein paar Engel, „Klopfet an, so wird euch aufgetan“, „Selig sind die Toten, die in dem Herren sterben“, (Selig sind die Toten ... ist von Engelbrecht in Berlin lithographiert worden), „Nun aber bleibt Glaube, Liebe, Hoffnung, diese drei,aber die Liebe ist die Größte unter ihnen“.

1863 malte ich auch ein kleines Altarbild für eine Landkirche (Sobotka) ein Christus in Gethsemane. Vorher schon hatte ich im Auftrag des Herzoges für die Schloßkirche in Dessau, in welcher mehrere große Bilder von Lukas Cranach und seiner Schüler aus der Leidensgeschichte Christi sind und nur noch die Grablegung und Auferstehung fehlten, die Grablegung 10 ' hoch und 7 1/2 ' breit, eine reiche Composition, gemalt und nachher noch die Auferstehung in gleicher Größe auch vom Herzog bestellt. Dann malte ich in 3/4 Größe, auch vom Herzog bestellt, Jonathan und David.

1866 malte ich zwei Seitenflügel zu dem schon vorhandenen Altargemälde, Christus und der ungläubige Thomas in der Garnisonkirche in Münster, „Moses“ und „Johannes der Täufer“ als fast lebensgroße Figuren und als Staffeleibild „Lydia, die mit ihrer Familie Paulus in ihr Haus einlädt“ (Apostelgesch. 16/15). Zu einem Gegenstück: „Die Trauernden Witwen zeigen dem Petrus die Leiche der Tabea“, (Apostelgesch. 9/39-40) habe ich einen Carton vollendet. Auch habe ich in Berlin Psalmen illustriert und bis jetzt 6 in Aquarell ausgeführt.

Für den Bazar, eine illustrierte Damenzeitschrift, zeichnete ich auch noch das Osterfest 1864 auf Holz, das durch den Schnitt aber sehr verloren hat. Im April 1863 überraschte mich der Herzog mit dem Patent als Professor. Erwähnen will ich noch die Bibl. Bilder zum Ausschneiden und Zusammensetzen für Kinder, das Leben der Erzväter, herausgegeben von G. JAHN und von mir entworfen, ergänzt und gezeichnet nach Motiven der Bibel v. J. SCHNORR.

Um 1863 ... In dieser Zeit lieferte ich einige Compositionen für einen Verein in Stuttgart zur Verbreitung Christlicher Bilder, die dasselbe in Kupfer stechen ließ, aber leider sehr schwächlich und modernisiert wiedergegeben wurden. Es sind: Der Einzug Christi in Jerusalem, dann die drei Hauptfeste, davon jedes Blatt in 3 Teile zerfällt:
I. Weihnacht, die Geburt Christi mit der Anbetung der Hirten und Könige;
II. Ostern, die Auferstehung, die 3 Marien und die Flucht der Wächter. Mit dieser Composition hat der Verein eigenmächtig eine Veränderung zum großen Nachteil sich erlaubt.
III. Das Pfingstfest mit Ausgießung des Heiligen Geistes, der Predigt und der Taufe. Diese Zeichnungen waren groß und sollten auch später gestochen werden, sind aber zunächst nur sehr klein erschienen und das letzte gar nicht, da der Verein sich auflöste.

Dann habe ich zur Bilderbibel, herausgegeben vom evangelischen Bücherverein in Berlin, 12 Compositionen auf Holz gezeichnet:
1. David übergibt dem Salomo den Plan zum Tempelbau,
2. Jeremias beklagt den Josia,
3. Johannes der Täufer zeigt zwei Jungen Christum,
4. Die Verleugnung Petri,
5. Johannes der Täufer predigt,
6. Apostelgeschichte, das erste Concil,
7. Simon, der Zauberer bietet Petro Geld,
8. Petrus bei der Tabea,
9. Petrus und der Hauptmann Cornelius,
10. Paulus und die Lydia,
11. Pauli Abschied von Ephesus,
12. Festus stellt dem König Agripp den Paulus vor.

Für die Ehestands-Bibel, Verlag- von Justus Alb. Wohlgemuth in Berlin 1857 lieferte ich die drei Holzzeichnungen:
1.Gottvater führt dem Adam die Eva zu, als Weihe der Ehe durch das alte Testament;
2.Die Hochzeit zu Kanaan, Weihe der Ehe durch das neue Testament;
3.Luthers Familienleben, als Weihe durch die Kirche der Reformation.

Auf Verlangen geschrieben Berlin 1887 F. Schubert Prof.

[aus „Franz August Schubert 1806 – 1893 Spuren eines Künstlerlebens, zusammengestellt und abgeschrieben aus den Originalen, - nicht unter Beibehaltung der alten Orthograpie, von Friederike Schubert-Ruthenberg, Blumberg im September 1994, geringfügig überarbeitet, Anmerkungen in Klammern]

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