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Gang-Art |
ERLÄUTERUNGEN
ZUR BILDSERIE „GANG-ART“ VON CONSTANZE WAGNER:
Der
Titel bezeichnet entweder die künstlerische Umsetzung des Bewegungsvorganges
oder eine Gehweise. Ich befasse mich seit Anfang 1995 sehr intensiv mit
Dokumentationen über den 2.Weltkrieg, auch als Vorbereitung für die
Aufstellung einer Installation bei einer Gedenkstunde zum 50. Jahrestag des
Kriegsendes vor der Germeringer Stadthalle.
Im
Laufe der Recherchen über das Ende des Krieges fiel es auf, wie viele Menschen
als Folge von Aggressionen anderer Menschen ständig unterwegs, am Fortgehen,
waren und immer noch sind.Tausende waren und sind als Opfer, Tausende als
Aggressoren unterwegs. Die Art des unterschiedlichen Gehens dieser Menschen wird
zur intensiven Studie.
Menschen
die als Aggressoren agieren, ob militärisch oder in einer Demonstration, bilden
immer eine breite Front beim Gehen oder Marschieren. Menschen auf der Flucht
neigen eher dazu hintereinander zu gehen, ihre Fortbewegung ist nicht
koordiniert, ihre Haltung beim Gehen sehr unterschiedlich. Wird ein Opfer von
einem Aggressor aufgefordert oder gezwungen die Hände zu heben oder hinter den
Kopf zu verschränken, wird ihm von seinem Peiniger (unabsichtlich) zu einem
aufrechten Gang verholfen.
Welche
Bedeutung hat das Gehen des Menschen, die Fähigkeit Fortbewegens? Das Fortgehen
oder Gehen schlechthin, kann eine rettende Funktion haben. Andererseits ist „Fortgang“
aber auch eine Bezeichnung für das Sterben. Man merkt erst wie wichtig die Fähigkeit
des Fortbewegens ist, wenn man am Gehen gehindert oder zum Gehen gezwungen wird.
Wer nicht gescheit gehen kann, „hinkt immer einen Schritt hinterher“ oder
„bleibt auf der Strecke“.
In
ca.50 Zeichnungen und etlichen großformatigen Acrylbildern wurde versucht diese
„Gang-Art“ zu beschreiben und zu analysieren. Die Wiedergabe der Bewegung
verlangte von mir beim Malen gleichermaßen in Bewegung zu bleiben. Der Mensch
wird entkleidet, entblößt, um nichts beim Beobachten des Gehens zu
verschleiern. In diesem Prozeß wird festgestellt, daß diese Blöße in
Zusammenhang Migration selbstverständlicher erscheint als das Bekleidetsein.
Durch
die Studien und Beobachtungen, auch der politischen Situation meiner ehemaligen
Heimat Südafrika, kam ich zu der Erkenntnis, daß ein Mensch der in einem
Zustand der fundamentalen Existenzbedrohung seine Angst soweit überwinden kann,
daß er sich trotz aller Konzequenzen wehrt (d.h. auch in Bewegung bleibt, gehen
kann), Freiheit als Zustand erlebt.
Meiner
Meinung nach dient dieser Art der Studien dazu, Künstler wie Beobachter zu
sensibilisieren Prozesse zwischen der Welt und dem Menschen sinnlich sichtbar zu
machen. 1988 sagte der Künstler Günter Uecker, daß die Kunst (wenn sie einen
Anspruch auf ein aufklärerisches Potential hätte) nicht retten kann, aber sie
hat die Aufgabe einen Dialog herzustellen, der dazu führen kann, den Menschen
zu bewahren in seiner Gefährdung
Bildserie "Gang-Art"