Saiten über Saiten
Liuto forte - eine "neue" Laute
Beim Beschäftigen mit der entsprechenden Musikliteratur der Zeit um Bach und dem Versuch, diese auf der Gitarre wiederzugeben, wurden mir relativ schnell die eingeschränkten Möglichkeiten der Gitarre klar. Der Unterschied zwischen 13 oder 14 Saiten und 6 Saiten ist auch kaum zu übersehen.

Durch Zufall stieß ich auf eine neuere Entwicklung, den "Liuto forte", übersetzt sozusagen eine laute Laute. Lauten wurden bis in die Anfänge des 19. Jhd. gespielt, verschwanden aber schließlich aus der Musikwelt. Es waren wohl vor allem Sammler, die uns diese alten Instrumente erhielten. Die Bewegung "Alte Musik" belebte unter anderem auch die Laute wieder. Wegen meiner durch die klassische Gitarre geprägte Spielweise entschied ich mich für einen Liuto forte. Aber auch wenn ich sie nicht selbst spiele, finde ich den Klang einer nach historischem Vorbild gebauten Laute sehr reizvoll. Schließlich ist die Entscheidung für ein bestimmtes Instrument keine Wertung sondern reine Geschmacksache.
Die Entwicklung des Liuto forte ist wohl auch durch den modernen Gitarrenbau nach Torres inspiriert, der die Gitarre, v.a. die Deckenstruktur grundlegend überarbeitete. Ich empfinde das Klangbild durch den Lautenkorpus eher den Lauten zugehörig, als die Gitarre, auch wenn Einige anderes meinen. Früher wurden Lauten, v.a. Renaissance- und Barocklauten, doppelt besaitet. Einfach gedacht erklärt sich dies schon allein durch den Umstand, dass durch das damals verfügbare Saitenmaterial und entsprechend dicke Saiten die Obertöne deutlich zu gering ausfielen. Um das zu kompensieren, wurde eine zweite, dünnere Saite aufgezogen und eine Oktave höher gestimmt. Eine hierdurch entstehende Schwierigkeit ist die saubere Stimmung. Gerne wird auch noch nach historischen Vorbild mit Darm besaitet, was der Stimmung nicht unbedingt zuträglich ist, da jede Temperaturschwankung, Feuchtigkeit usw. in kurzer Zeit zu hörbaren Abweichungen führt. Andererseits ergibt sich durch diese Doppelbesaitung natürlich auch ein anderes, ganz eigenes Klangbild. Der Liuto greift als moderne Entwicklung konsequenterweise auf moderne Saiten zurück. Hierdurch fällt die Notwendigkeit der Doppelbesaitung weg. Die Einfachbesaitung ist sicher leichter zu beherrschen, wenn man davon bei 14 Saiten sprechen kann. :)
Seit August 2008 erfreue ich mich - wie auf dem Bild zu sehen - an einem Liuto forte in d-moll-Stimmung mit Knickhals und Bassreiter, Korpus Palisander, Decke Fichte, gebaut von Michael Haaser (Dresden). Den Klang meines Liutos hören Sie - sofern alles funktionert - beim Aufrufen dieser Seite. Es werden in Zukunft noch einige Aufnahmen folgen - ich hoffe, dass diese besser werden, aber irgendwo wollte ich mal damit anfangen. ;)